Der Bachelor ein Reinfall? Seit ihr euch sicher?

Die neuen Bachelorstudiengänge scheinen recht unbeliebt zu sein. Die Tagesschau beschwert sich über die höhere Abbrecherquote bei Bachelorstudenten, Der Spiegel ist überrascht von viele Abbrechern im Bachelor-Studium und Heise stellt fest, dass jeder Fünfte der Hochschule vorzeitig den Rücken kehrt . Prego schrieb gerade erst, er mochte die Bachelorstudiengänge von Anfang an nicht, der FU-Watchblog meint Bologna brennt zwar, aber alles ist unter Kontrolle, und Carsten von lernziel.de stellt abschließend fest, dass das doch klar war!

Ist der Bachelor wirklich ein Reinfall?

Während anscheinend alle der Meinung sind, der Bachelor sei ein Reinfall, möchte MrOrange ganz leise seine konträre Meinung dazu schreiben, denn obwohl sämtliche dieser Meinungen und Statistiken authentisch sind, gehen sie an der eigentlichen Problematik vorbei. Das die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge, vor allem zwischen eben jenen neuen Bachelorsstudenten und den alten Diplom- und Magisterstudenten polarisiert, mag in der Natur der Sache liegen. Das Statistiken aber vielfach interpretiert werden können und daher genau das Aussagen, was der Nutzer einer Statistik aussagen will ,sonst würde er sie ja nicht benutzen, wird genau dann deutlich, wenn der Spiegel schreibt, die Quote der Studienabbrecher ist in den Geisteswissenschaften deutlich gesunken (momentan 27 Prozent) und in Bezug auf das Maschinenbau-, Ingenieurs- und Wirtschaftsstudium meint, diese Fachbereiche seien früher schon durch viele Studienabbrecher aufgefallen! Wo liegt also das Problem? Es scheint doch alles beim Alten zu sein oder sich zum Guten zu wenden?

Ist der Bologna-Prozess an allem Schuld?

Ganz grundlegend sollte erwähnt werden, dass der Bologna-Prozess, der für die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in den 50+ europäischen Teilnehmerländern drei Hauptziele hat: Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit. Der Grundgedanke, dass in einem vereinten Europas, sowohl auf der universitären Ebene als auch auf dem Arbeitsmarkt eine reibungslose Mobilität erreicht werden soll, ist ein genauso utopischer wie hehrer Gedanke! Dies nämlich würde voraussetzen, dass sämtliche europäischen Studiengänge nach den gleichen Standards, mit den gleichen Schwerpunkten und der gleichen Intensität gelehrt werden. So dass die Abschlüsse in ganz Europa den gleichen Wert haben. Das dies nicht mit der bloßen Einführung eben jeder Studiengänge bzw. der Betitelung Bachelor oder Master erreicht werden kann, sondern ein langwieriger Prozess sein würde, sollte jedem klar gewesen sein. Warum es jetzt die Presse überrascht, das es bei der Einführung Probleme gibt, wundert MrOrange schon ein bisschen!

Was sind die Probleme bei der Umsetzung des Bachelorstudiums?

Während es sich der FU-Watchblog mit seinem Kommentar, es gibt zwar Probleme, aber eigentlich keine richtigen, recht einfach macht, habe ich hier ein paar Hürden der neuen Bachelorstudiengänge zusammen getragen:

  • Der in 6 Semestern untergebrachte Stoff ist stark strukturiert und kompakt aufgebaut: der Lernaufwand ist immens, die Zeit dafür gering.
  • Die Prüfungsordnung, welche festlegt, wann welche Prüfung gemacht werden soll, erzeugt den Druck bei den Studenten, möglichst schnell mit dem Studium fertig zu werden.
  • Die Prüfungsmodalitäten in Verbindung mit dem hohen Lernaufwand machen es schwierig, ein eher unsicheres Auslandssemester (Stichwort Prüfungsanerkennung) durchzuführen.
  • Gerade bei Zwei-Fach-Bachlor-Studenten kommt es, auf Grund der nicht angepassten Veranstaltungsterminen, zu Überschneidungen im Stundenplan.
  • Es wird offen proklamiert, dass bei weitem nicht jedem Bachelorabsolvent möglich sein wird, ein Masterstudium aufzunehmen.

Wenn man diese 5 Punkte betrachtet, wird alleine schon deutlich, wie groß der Druck für die Bachelorstudenten sein kann. Das hierbei noch nicht berücksichtigt ist, dass viele Studenten einen Nebenjob haben um ihr Studium überhaupt finanzieren zu können, spricht Bände. Ein weiteres Problem – und hier sehe ich persönlich die größte Hürde – ist, die Unwissenheit vieler Erstsemester, was sie überhaupt Studieren wollen bzw. was sie in einem bestimmten Studiengang erwartet! Während es früher durchaus üblich war, mal in ein Studium reinzuschnuppern und dann das Fach gegebenenfalls zu wechseln, macht das neue Bachelorsystem dieses ungleich schwerer. Hier wiegen mehrere Faktoren schwer, denn neben der Unwissenheit über Studieninhalte bei den Studenten, ist auch das Informationsmanagement der Universitäten und die Betreuung durch selbige ein Problem. Genauso Schuld an der aktuellen Diskussion, hat der durch kompakte Studienverläufe und Finanzierungsprobleme geschürte Druck für die Studenten selbst, von der Zukunftsangst durch den Mangel an Masterplätzen mal ganz abgesehen. Das immer wieder geschrieben wird, die neuen Bachelorabsolventen würden in der Freien Wirtschaft nicht angenommen, verschärft letzteres noch. Die allgemeine Verunsicherung, ob ein Bachelorabschluss wirklich zu einem Job führt, steigt.

Was meiner Meinung nach in der Diskussion um die Bachelorstudiengänge zu kurz kommt, ist die Frage nach der Einstellung der Studenten zum Studium. Denn wann immer einer meiner Freunde oder Lieblingskommilitoninnen sein bzw. ihr Studienschwerpunkt, ihre Fächerkombination wechselte oder das Studium abbrach, lag dies daran, dass sie sich “das Fach anders vorgestellt” haben, dieses Fach eigentlich nichts für sie sei oder feststellten, dass sie doch nicht Lehrer werden wollten.

Fazit

Der Bachelor steht weder in Flammen noch ist er ein Reinfall. Das es in der Einführungsphase zu Problemen kommen würde, war von Anfang an klar. Das es einige Jahre dauern wird, bis der Bachelor sich durchsetzt, ebenfalls. Zwei Dinge sind jedoch entscheidend: es gibt vor allem in Betreuung und Lehre einen massiven Verbesserungsbedarf und es gibt keinen Weg zurück!

Passend dazu habe ich gestern eine SMS zum Thema Bachelor-Master in der Zeit gelesen:

“Lieber XXXXX, es wurde gerade über die Zukunft der Ausbildungen diskutiert.Dabei wurde mir klar: du musst ein Studium mit bachelor-master wählen!alles andere ist unsinn,nach dem bachelor kannst du dich weiter entscheiden.dies ist die zukunft!”

Update

Gerade bin ich auf einen Beitrag von Fredericiana zur Umsetzung des Bachelorstudiengang an der Universität Karlsruhe gestoßen. Interessant ist dieser vor allem deshalb, weil Fredericiana sowohl auf die Problematik der Pflichtpraktika im Studium, für die kein zeitlicher Raum in der Studienunordnung vorgesehen ist, als auch auf die Differenzen zwischen der deutschen und amerikanischen Universitätskultur eingeht.

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  • Danke für die Verlinkung :) (der Link ist leider kaputt, reparier den mal bitte).

    Ich stimme den 5 genannten Punkten zu: Der Druck auf die Studenten ist erhöht worden, ohne ihnen auf der anderen Seite das Leben zu erleichtern. Ein Auslandssemester mitsamt Anerkennungen durchzuführen sollten bspw. viel einfacher sein; Programme wie ERASMUS sind dort auf dem richtigen weg, aber außerhalb Europas ist man der Willkür seiner Professoren noch immer völlig ausgeliefert. Das ist keine Motivation, von seinen knappen 6 Semestern ein oder 2 zu opfern.

    Dass manches an der Abbrecherquote bei den Studenten selbst liegt, kann ich ebenfalls bestätigen. Ich habe auch viele Banknachbarn erlebt, die mit völlig falschen Erwartungen in den Studiengang gegangen sind und nach ein paar Semestern völlig überrascht aufgegeben haben, weil doch ein bisschen viel Mathe drankam, oder weil die Richtung komplett die falsche gewesen ist. Leider tut das System aktuell auch genau nichts, um diesen Leuten die Wahl zu erleichtern: Eine Hochglanzbroschüre, in der die verschiedenen Vorlesungen in blumigen Worten umschrieben werden, ist keine ausreichende Hilfestellung. Vielleicht wären (eigentlich mag ich es nicht, ewig auf die USA zu schielen, aber es ist doch ein interessanter Vergleich:) “exploratory studies” (=Schnupperstudieren) wie es sie in den USA gibt gar nicht so dumm? Man könnte in verschiedene Vorlesungen reinhören und sie natürlich auch prüfen lassen, und wenn man sich dann entschieden hat, kann man diese Vorlesungen in den gewählten Studiengang einrechnen lassen.

  • Oh; jetzt funktioniert der Link. Alles in Ordnung :)

  • Dank für das Kommentar. Die “exploratory studies” währen in der Tat eine Alternative für jene Studienanfänger, die sich noch nicht ganz sicher sind, was sie eigentlich studieren wollen. Auch könnte man eine Art “Generalstudium” in den ersten zwei Semestern anbieten, in dem sich die Studenten einige Veranstaltungen aussuchen könnten und nebenbei auch Grundlagen des Studiums (Wie schreibe ich eine Hausarbeit? Wie recherchieren? Informations- und Kommunikationssystem? Zeitmanagement? Umgang mit Studien- und Prüfungsunordnungen und so weiter) belegen müssten.

    Ein Anfang wäre auch mit ordentlicher Beratung gemacht, denn Hochglanzbroschüren alleine können das sicher nicht ausgleichen.

  • wir haben in Chemie mit 177 studenten angefangen und jetzt im 2ten semseter sind nur noch 87 Leute übrig und nachdem 2semester sind wahrscheinlich nur noch 50Leut übrig.
    40Stunden Woche? also mit Protokollen, Vorlesungen, Praktikas,Seminare … komme ich über 60Stunden und das Lernen wurde nicht einmal miteinbezogen. Wir machen Analytik obwohl des in der Prüfungsodnung nicht mal dabei ist.
    Bachelor ist ein Mist. Nemand weiss was!

  • @ bachelor student

    Meine Erfahrungen mit dem Bachelor-Master-System beziehen sich leider nur auf den Bereich der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dass bei Naturwissenschaften teilweise nur “umetikettiert”, also das alte Diplomstudium einfach nur verkürzt wurde, habe ich allerdings schon ein paar mal gehört!

    In so einem Fall bleibt einem kaum etwas übrig, als die Uni zu wechseln oder aber für sein Recht auf Bildung zu protestieren. In Göttingen arbeitet der AStA beispielsweise an einer fairen und verhätlnissmäßigen Entlohnung der Arbeitsleistungen, und sammelt dafür “Lernprotokolle” von uns Studenten. Natürlich wird dieser Prozess noch ein Weilchen dauern, aber es ist ein Anfang.

    Für uns ersten Generationen kommt dies dann aber zu spät. Versuchskaninchen werden wir immer bleiben, auch im Masterstudium.