Nachtrag zum vorzeitigen Verlassen von Vorlesungen

Letzte Woche habe ich von einem kleinen Exkurs meines Dozenten berichtet, der sich darüber Gedanken gemacht hatte, wann und unter welchen Umständen man als Student Seminare und Vorlesungen vorzeitig verlassen darf. Kurz zusammen gefasst hieß das wohl nicht ganz ernst gemeinte Ergebnis: “Nur im nahenden Todesfall!

In meiner Vorlesung heute Morgen hat ein anderer Dozent weit aus mehr Mitgefühl für uns Studenten ausgedrückt, die ja eine 90-minütige Vorlesung auch erst mal hinter sich bringen müssen:

… bevor Sie mit fallenden Augenliedern vor mir auf die Tische sinken und mir einen Adrenalinschock geben … ich permanent darüber nachdenke, wie ich Sie wieder animieren und motivieren kann: Gehen Sie raus, machen Sie einen Spaziergang, Trinken Sie etwas und kommen Sie dann wieder. Ich habe vollstes Verständnis wenn Sie rausgehen, kann auch verstehen wenn Sie nicht wiederkommen, auch wenn mich das doch etwas trifft.

Ihnen gehört mein tiefes Mitgefühl, da ich weiß, dass sie nicht nur meine Vorlesung hören müssen, sondern auch noch andere.

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Unter welchen Umständen darf man Seminare und Vorlesungen vorzeitig verlassen?

Diese Frage stellte einer meiner Dozenten im Hauptseminar diese Woche. Ihm sei es ganz und gar unverständlich, wieso immer wieder Studenten seine Seminare, Übungen oder Vorlesungen vor dem Ende verlassen würden. Nach einigen weniger überzeugenden Gründen stellte er jedoch klipp und klar fest, unter welchen Umständen er frühzeitiges Gehen für gerechtfertigt hält:

Wenn sie merken, das das Ende naht, gehen sie vor die Tür und sterben dort. Andere Gründe um eine Veranstaltung früher zu verlassen gibt es nicht.

Es ist allerdings davon auszugehen, dass dies nicht unbedingt ernst gemeint ist. Dennoch: Gut das wir mal drüber gesprochen haben ;-)

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Sitzplätze auf der Treppe und unserer Industrialisierungsvorlesung nicht sonderlich bequem sind und man nach 70 Minuten nicht mehr sitzen kann? Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass einige Studenten sich mit dem vorzeitigen Verlassen der Veranstaltung nur die Zeit zurückholen wollen, die unser Dozent gerne mal überzieht. Denn aus durchschnittlichen 3 Minuten pro Vorlesung und Hauptseminar kommen im Semester etwas mehr als eine Stunde “Nachspielzeit oder Verlängerung” zusammen…

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Mal wieder eine Vorlesung am frühen morgen, bei der alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann.

Hat mich Christoph nicht gestern noch dazu überredet, die Vorlesung zur Wirtschaftspolitik doch auch mal persönlich zu besuchen? Ist ja auch gar nicht wichtig frühmorgens zur Veranstaltung zu gehen, schließlich wird sie ja aufgezeichnet und kann daher übers Internet wiederholt werden – jederzeit und so oft man vielleicht möchte. Sogar auf den iPod könnte man sie sich runter laden und dann, was weiß denn ich, beim Joggen oder Inline-Skaten anstatt lauter Musik, eine Einführung in die Wirtschaftspolitik hören!?

Wie dem auch sei, denn obwohl ich sonst die Vorlesung zur Wirtschaftspolitk am Wochenende ansehe, bin heute doch mal um 8 Uhr zur Vorlesung zu gehen. Nur um dann doch alleine hier zu sitzen, weil Christoph selbst nicht rechtzeitig aufgestanden ist. Alleine ist natürlich übertrieben, denn die Vorlesung ist gut besucht. Aber wer weiß, denn anscheinend war der Besuch doch nicht umsonst, denn es gibt heute massive Probleme bei der Aufzeichnung der Vorlesung.


Probleme bei der Lecturnity Aufzeichnung Uni Goettingen

Erst will der Beamer nicht arbeiten, dann lässt sich das Videomodul nicht nutzen, mit dem der Professor sonst wichtige Punkte in der Powerpoint-Präsentation hervorhebt und markiert. Kurz gesagt, die sonst interaktive Präsentation wird zu einer regulären Vorlesung, in der der Dozent lediglich über das Vorlesungsthema referiert. Kurz gesagt, der einzige Vorteil sich die heutige Vorlesung im Internet anzusehen ist, das man einen “Pauseknopf” hat.

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Jahrmarkt in der Universität oder Referatsvergabe im Seminar

Das ich dieses Semester eine Vorlesung zum Thema Industrialisierung besuche, habe ich ja gestern geschrieben. Genau diese Vorlesung, für die die Pflichtliteratur auf mysteriösem Wege die Bibliothek verlassen hat. Böse Zungen behaupten ja immer noch, dass die relevante Literatur beim Professor im Büro liegt. Aber zurück zum Seminar, welches heute das erste Mal statt findet.

Die erste Seminarsitzung ist meist eine relativ kurze Angelegenheit, zumindest bei Geschichtsseminaren. Es wird der geplante Lehrplan für das Semester durchgegangen, eine Anwesenheitsliste gemacht und die Referate werden vergeben. Danach ist meist noch eine Stunde übrig und trotzdem Feierabend. Das heutige Seminar stand dem in nichts nach, fast nichts!

Die Referatsvergabe verlief dann doch etwas anders als geplant. Denn bei so vielen interessanten Themen, beispielsweise die russische Maschinenindustrie oder rumänische Erdölindustrie, sowie die Fleischveredlung in Dänemark oder der Energiebasis der Industriellen Revolution waren sich nicht alle sicher, welches Thema sie haben wollten.

Hinzu kam natürlich der Fakt, dass die Anzahl der freien Referatsthemen mit jeder Vergabe kleiner wurde. Auf den Wunsch eines Kommilitonen nach dem bereits vergeben Thema Montanindustrie fragte unser Dozent norddeutsch trocken: “Montanindustrie … was halten Sie denn von Konserven?” Einer anderen Kommilitonin bot er dann “Agrarformen … nächste Woche!” an, als sie fragte was denn noch frei wäre. Worauf sie nur noch resignierend fragte “nächste Woche?” Wer sich spätestens jetzt an einen Jahrmarkt erinnert fühlte, war sicherlich nicht alleine.

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Nochmal aus dem Studentenwohnheim ausgesperrt, weil es beim ersten Mal so schön war.

“… jetzt noch schnell das MacBook in den Rucksack, den Fahrradschlüssel greifen und dann ab zur Sprechstunde mit dem Professor.” Das war zumindest der Plan bis zu dem Augenblick, in dem ich merkte, dass mein Schlüssel noch auf dem Schreibtisch liegt. Dummerweise lagen zu diesem Zeitpunkt schon drei Meter Luftlinie und eine geschlossene Tür zwischen mir und meinem Wohnungsschlüssel. Es ist ja nicht so, als ob ich mich noch nie aus dem ATW-Wohnheim Göttingen ausgesperrt hätte, so wusste ich wenigstens was ich zu tun hätte.

Also erst zur Sprechstunde beim Prof, weil dazu war ich eigentlich schon viel zu spät dran, und dann in die Wohnheimsverwaltung und kurz die Misere erklären. In der Wohnheimsverwaltung erklärte ich einer der drei Damen also kurz, dass ich in 12b / 204 wohnen würde und mich ausgesperrt hätte. Blöd nur, dass sie meine Akte nicht finden konnte und mich daraufhin mit großen Augen und einem prüfenden Blick ansah. Gut das das Büro dort recht klein ist und die nette Sachbearbeiterin vom Nachbartisch gleich einwarf: “Das ist doch Herr Lippert, der wohnt wirklich dort und zieht in zwei Wochen aus. Kannst ihm ruhig den Schlüssel geben!”.

Puh, noch mal Glück gehabt. Ach, die Sprechstunde mit dem Professor hat sich um ganze 90 Minuten verzögert, er hat wohl unseren Termin vergessen. Nun ja, das ist aber eine andere Geschichte!

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Mit uns Studenten kann man es ja machen, schließlich haben wir unsere Studiengebühren schon gezahlt …

Da soll man als Student immer ordentlich vorbereitet sein: möglichst die Präsentation der Vorlesung vorher ausdrucken und mitbringen und ja nicht vergessen, den Text für die Veranstaltungen zu lesen und den Ausführungen der Dozenten aufmerksam zu folgen. Alles schön und gut, aber was ist, wenn die Präsentationsdateien im Vorfeld diverse Male geändert werden oder gar erst am Tag der Vorlesung online gestellt werden?

Ganz fies ist es natürlich, wenn das Dokument gar nicht online zu finden ist und der Professor zu Beginn der Veranstaltung darauf hinweist, dass die Präsentation erst eine Stunde vor der Vorlesung online gestellt wurde. Wir sie uns also später runter laden könnten. Richtig blöd ist es aber, wenn die Präsentation trotz allen Beteuerungen des Professors nicht online zu finden ist! Gut, für das Bereitstellen der Dokumente ist nicht der Professor selbst zuständig, aber dennoch ist das schlechter Stil schon dreist.

Dabei habe ich mich noch nicht mal darüber beschwert, dass in der Version die man selbst runter geladen hat, mindestens eine der vom Dozenten als wichtig eingestuften Darstellungen und Tabellen fehlt. Nun ja, das war unsere letzte Vorlesung in diesem Semester, denn nächste Woche schreiben wir die Klausur und nächstes Semester wir alles anders und besser.

In der auf die Vorlesung folgende Übung, hat unser Dozent übrigens gleich die Kopien der Präsentation für alle Teilnehmer mitgebracht. Wenn das mal nicht ordentliches Krisenmanagement an der Universität ;-)

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Exkursion mit der Geschichtsdidaktik: Ein Mal Berlin und zurück

Gedenkstätte Checkpoint Alpha Helmstedt-Marienborn

So eine Tagesexkursion von Göttingen nach Berlin hat es echt in sich, denn der Bus braucht pro Richtung mindestens vier Stunden. Mal zum Vergleich: der ICE braucht für die gleiche Strecke nur 2 Stunden und 20 Minuten. Zugegeben, der Bus ist weitaus günstiger als die Deutsche Bahn! Nach zwei Stunden Fahrt mit dem Bus, es ging schon um fünf Uhr los, war es Zeit für unsere erste Pause. Diese machten wir in Helmstedt-Marienborn, dem ehemaligen Checkpoint-Alpha auf der Transitstrecke nach Berlin. Hier griff MrOrange zum ersten Mal zum Mikrophon. Als gebürtiger Berliner musste ich meinen Kommilitoninnen natürlich etwas über Berlin erzählen und der Checkpoint-Alpha gehört ja auch irgendwie dazu.

Knapp zwei Stunden später erreichten wir die Berliner Stadtgrenze und kaum das der Checkpoint-Bravo in Sicht war, griff ich auch wieder zum Mikrophon. Es galt jetzt einen interessanten Weg von der AVUS zum Potsdamer Platz zu finden, damit wir an möglichst vielen Sehenswürdigkeiten vorbei kommen. So ging es über die Heerstraße, den Ernst-Reuter-Platz, die Siegessäule und die Nordischen Botschaften zum Potsdamer Platz. Während wir unterwegs schon die ersten Gruppen an der S-Bahn bzw. direkt am Museum absetzten, berichtete auch unser Dozent von seinen studentischen Erfahrungen in Berlin. Angeblich, denn das sagt ja jeder Dozent bzw. ehemalige Student, hätte er praktisch in den Bibliotheken der Stadt gewohnt. Am Potsdamer Platz trennten sich unsere Wege dann erst mal, denn weiter durften die einzelnen Gruppen auf eigene Faust, schließlich hatte jede Gruppe ihre eigene Geschichtsagentur (Ausstellung, Gebäude, Gedenkstätte oder Museum) zu besichtigen.

DDR-Museum in Berlin

Meine Gruppe hat sich dafür entschieden das DDR-Museum am Berliner Spreeufer zu besuchen, und so ging es zu Fuß vom Potsdamer Platz in Richtung Alexanderplatz. Ziel unseres Besuches war es, das didaktische Konzept des Museums zu recherchieren um in einem späteren Essay die Eignung des Museums für einen Besuch im Rahmen des Geschichtsunterrichts zu analysieren. Während meine beiden Gruppenmitglieder durch den Besuch des DDR-Museums zum ersten Mal “hautnahen Kontakt” mit dem Alltag in der DDR hatten, konnte auch ich mich darüber freuen, ein paar Dinge meiner frühen Kindheit wieder zu entdecken. Beispielsweise den “DDR-Lego-Baukasten Grossblock”. Der Besuch verlief überaus positiv, denn nicht nur waren vier Gruppenführungen mit Düsseldorfer Schülern in der relativ kleinen Ausstellung unterwegs, auch bot uns einer der Gruppenführer ein Interview an. Letzteres haben wir dann gleich vor der Tür am Spreeufer durchgeführt.

Konnopke's Currywurst in Berlin

Fast sechs Stunden Zeit hatten wir für unseren Ausflug zum Museum, bevor wir uns um 16 Uhr wieder mit den anderen Gruppen treffen sollten. Zeit genug um sich noch ein paar interessante Dinge in Berlin anzusehen, bzw. um mal richtige Berliner Tradition kennen zu lernen. MrOrange ließ es sich also nicht nehmen, seine beiden Gruppenmitglieder vom Alexanderplatz zur Schönhauser Allee zu scheuchen. Denn dort gibt es bei Konnopke’s die echter Berliner Currywurst, mit Brötchen und Fassbrause. Weiter ging es dann entlang der Bernauer Straße, denn dort existiert noch ein originales Stück der Berliner Mauer. Ein Muss für jeden Berlinbesucher!

Bunker Gesundbrunnen Berliner Unterwelten

Zum Abschluss unseres Berlinbesuches gab es etwas ganz besonderes: eine Tour durch den Flakturm/Bunker im Humboldthain am Berliner Gesundbrunnen. Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die an warme Kleidung gedacht hatten. Denn auch während es draussen “bombig” heiß war, lagen die Innentemperaturen bei rund sieben Grad! Die Führung durch den Flakturm war in der Tat der Höhepunkt unseres Besuches, denn so nah kommt man tatsächlicher Geschichte sonst nur selten … auch als Historiker.

Damit war unser Berlinbesuch auch fast beendet, denn gegen 19 Uhr sollte es vom Potsdamer Platz auch wieder zurück nach Göttingen gehen. Nicht jedoch ohne einen Ausflug in das ehemalige Ostberlin zu machen, hatten sich doch die meisten Gruppen Gedenkstätten und Museen im Westteil der Stadt ausgesucht. So fuhren wir zumindest die Leipziger Straße bis zum Alexanderplatz hinauf um dann über Unter den Linden und den Tiergarten wieder zur Heerstraße zu fahren. Um Mitternacht kamen wir wieder in Göttingen an.

Meine Fotos von der Berlinexkursion gibt es auch ….

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